Viele der heute interessantesten innovativen Baukonstruktionen überschreiten deutlich die Grenzen der primitiven rechteckigen Kästen, die frühere architektonische Praktiken dominierten. Sie zeichnen sich durch komplexe Konturen, Hohlräume aus, die über den sichtbaren Bereich der Stützen hinausreichen, und verschwindende, schwebend wirkende Dachsysteme aus. Die Raumfachwerk-Konstruktion ist ein struktureller Ansatz, der es ermöglicht, all diese Entwürfe zu verwirklichen. Obwohl das Raumfachwerk keine neuartige Innovation darstellt, nimmt seine Anwendung in der zeitgenössischen Architektur stark zu. Die Probleme, mit denen moderne Architekten bei dem Versuch konfrontiert sind, Form und Funktion zu integrieren, werden häufig mithilfe eines Raumfachwerks gelöst. In Entwürfen, bei denen maximales Volumen und eine starke Präsenz von Hohlräumen angestrebt werden, kommt in der Regel das Raumfachwerk zum Einsatz.
Eigenschaften von Raumfachwerken
Ein Raumfachwerk ist ein dreidimensionales Tragsystem. Im Gegensatz zu herkömmlichen Konstruktionen, die Balken und Stützen in einem Rastermuster verwenden, setzt ein Raumfachwerk ein Netzwerk von Tragelementen in einem geometrischen Muster ein. Die gebräuchlichsten Muster sind dreieckig und pyramidenförmig. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass ein herkömmlicher Balken Last in einer Richtung aufnimmt, während ein „Balken“ eines Raumfachwerks Last in drei Richtungen aufnehmen kann. Während ein herkömmlicher Balken so ausgelegt wird, dass er für die jeweilige Last möglichst effizient ist, verteilt ein Raumfachwerk die Last über das gesamte Tragsystem. Dadurch können sehr große Spannweiten ohne den Einsatz sehr großer Balken oder eng beabstandeter Stützen überspannt werden. Dies macht die Raumfachwerkkonstruktion äußerst effizient – oft effizienter als herkömmliche Tragkonstruktionen.
Entwicklung weitläufiger Freiflächen und markanter Formen
Ein erhebliches Hindernis bei der architektonischen Gestaltung besteht darin, große Spannweiten ohne Stützen zu überbrücken, da diese den Raum unterbrechen, Sichtlinien behindern und die Positionierung zusätzlicher Elemente erschweren. Durch den Einsatz von Raumfachwerken können Planer große, durchgängige Spannweiten realisieren, die mit herkömmlichen Stahlkonstruktionen sonst kaum praktikabel wären. Dies ist der Hauptgrund für die breite Anwendung von Raumfachwerken beim Bau großer Flughäfen, Sportarenen und Kongresszentren. Ihre ausgedehnten Dächer überspannen umfangreiche Flächen, ohne dass tragende Dachbalken erforderlich wären. Raumfachwerke sind jedoch nicht nur funktional: Ihre Gestaltung bietet ein äußerst attraktives und interessantes Muster. In vielen Fällen werden Raumfachwerke bewusst sichtbar belassen, um als gestalterisches Element zu wirken; das sich wiederholende Muster aus Dreiecken oder Pyramiden erzeugt eine rhythmische Struktur und lädt die Betrachter zur aktiven Auseinandersetzung ein. Die Bauteile gewinnen an Ausdruckskraft, wenn sie vom Licht durchflutet und von Schatten gezeichnet werden. Das Raumfachwerk wird in die Architektur integriert und wird selbst zum Gestaltungselement.
Leicht, effizient und materialorientiert
Raumfachwerksysteme weisen zudem einen deutlichen Vorteil hinsichtlich der Materialeffizienz auf. Da die Lasten über eine große Anzahl kleiner struktureller Elemente verteilt werden, können im Vergleich zu herkömmlichen Träger- und Stützensystemen kleinere Querschnitte gewählt werden. Dadurch verringert sich die benötigte Stahlmenge, was wiederum zu einer geringeren Gesamtmasse der Konstruktion sowie zu kleineren Fundamenten führt. Weniger Stahl bedeutet zudem kleinere Fundamente und Einsparungen sowohl bei den finanziellen als auch bei den Ressourcenkosten. Die Leichtbauweise von Raumfachwerksystemen erleichtert zudem den Transport und ermöglicht eine schnellere Montage. Dadurch lässt sich eine Baustelle in kürzerer Zeit errichten, was den Bau des Gebäudes beschleunigt und zu einer geringeren Beeinträchtigung der Umgebung führt. In einem Umfeld mit ständig wachsender Komplexität, engen Ausschreibungsfristen und immer kürzer werdenden Zeitvorgaben sind die Vorteile eines gut konzipierten Raumfachwerks besonders ausgeprägt. Typischerweise bestehen die Komponenten eines Raumfachwerks aus Stahl, der von Natur aus hochfest und langlebig ist. Bei fehlender Korrosion kann ein Raumfachwerk mehrere Jahrzehnte lang seinen vorgesehenen Zweck erfüllen.
Einsatzmöglichkeiten von Raumfachwerken in verschiedenen Gebäudetypen
Raumfachwerke können in allen Gebäudetypen eingesetzt werden, unabhängig davon, ob es sich um ikonische oder funktionale Bauwerke handelt. In industriellen und gewerblichen Gebäuden wie Fabriken, Lagern und Distributionszentren sind häufig große, stützenfreie Flächen erforderlich, um Maschinen oder Lagersysteme aufzunehmen. Raumfachwerke bieten hierfür geeignete Lösungen. Dieses Konzept gilt ebenso für gewerbliche Gebäude wie Einkaufszentren, Ausstellungshallen und Atrien in Bürogebäuden. In der zeitgenössischen Architektur kommen zudem komplizierte Formen vor, insbesondere bei Dächern. Dazu zählen beispielsweise Kurven oder Neigungen, die gelegentlich auch unregelmäßig sein können. In solchen Fällen stoßen herkömmliche Tragwerke oft an erhebliche Grenzen, während Raumfachwerke hervorragende Leistung erbringen. Raumfachwerke lassen sich nahezu jeder Form anpassen. Das bedeutet, dass Kuppeln, Tonnengewölbe und andere freiformige Gestaltungen im Vergleich zu herkömmlichen Balken- und Stützensystemen besonders leicht realisiert werden können.
Weitere Vorteile der Raumfachwerk-Konstruktion
Ein wesentlicher Vorteil des Raumfachwerks ist dessen hervorragende Integration in andere Gebäudesysteme. Die Zwischenräume zwischen den Bauteilen können die technischen Anlagen für Heizung, Lüftung, Klima, Elektro- und Sanitärsysteme aufnehmen. Beleuchtungskörper können direkt am Fachwerk befestigt werden, und HLK-Kanäle lassen sich in das Fachwerk integrieren. Dadurch bleibt die Decke sauber und übersichtlich; in Gebäuden, bei denen das Raumfachwerk sichtbar bleibt, wird es zudem Teil der Deckengestaltung. Da die Architektur in jüngerer Zeit verstärkt Nachhaltigkeit priorisiert, stellt auch die Effizienz der Raumfachwerkkonstruktion einen Vorteil dar. Die Materialeffizienz bedeutet, dass weniger Stahl bei Produktion und Transport eingesetzt wird, wodurch die damit verbundene CO₂-Bilanz verringert wird. Die geringe Masse der Raumfachwerkkonstruktion reduziert die erforderliche Betonmenge für die Fundamente. Zudem ermöglicht die Fähigkeit, große, offene Räume zu schaffen, häufig eine bessere Tageslichtnutzung und natürliche Lüftung sowie einen geringeren Energieverbrauch.
Eine intelligente Lösung für moderne Herausforderungen
Die heutigen Baustrukturen stehen vor hohen Anforderungen hinsichtlich ihrer Funktionalität und Ästhetik. Sie müssen sich im Laufe der Zeit an veränderte Anforderungen anpassen und wirtschaftlich sowie zeitlich effizient errichtet werden können. Raumfachwerksysteme erfüllen Erwartungen, die für traditionellere Systeme oft nur schwer zu erreichen sind. Um große offene Flächen – etwa in einem Flughafenterminal, einem Sportstadion, einem Kongresszentrum oder einem Industriebau – effizient zu überspannen und gleichzeitig Gestaltungsfreiheit zu ermöglichen, bieten Raumfachwerksysteme immer wieder dieselben Kernstärken. Je freier die Gestaltung wird, desto stärker wird das Raumfachwerk mit solchen Herausforderungen assoziiert.
Für Projekte, die große offene Flächen und komplexe Dachkonstruktionen erfordern, sollten Raumfachwerksysteme unbedingt in die Planung einbezogen werden. Sie bieten eine außerordentliche Gestaltungsfreiheit und ermöglichen zugleich eine beispiellose Effizienz. Weltweit erwiesen sich diese Systeme als erfolgreich und tragen maßgeblich zur Realisierung moderner Architektur bei.
Inhaltsverzeichnis
- Eigenschaften von Raumfachwerken
- Entwicklung weitläufiger Freiflächen und markanter Formen
- Leicht, effizient und materialorientiert
- Einsatzmöglichkeiten von Raumfachwerken in verschiedenen Gebäudetypen
- Weitere Vorteile der Raumfachwerk-Konstruktion
- Eine intelligente Lösung für moderne Herausforderungen